Vorgeschichte
“Niebelungentreue”
Bedingungslose Treue von DE zu Ö-U vor dem ersten Weltkrieg
Glaube, dass sich Deutschland aber auch ohne Partner behaupten könne
Panslawismus als Bedrohung für Ö-U, DE muss somit helfen (selbst bei eigenem Verlust)
Sozialdarwinismus
Umstrittene Abwandlung von Darwins Evolutionstheorie auf menschliche Verhältnisse
Rechtfertigung für Imperialismus (”starke Länder schlucken schwache” als natürlichen Lauf der Dinge)
“Kampf ums Dasein” als Grundlage intl. Beziehungen (somit Aufrüstung, zwischenstaatliche Anarchie…)
Vorkriegskrisen (Auswahl)
Faschodah-Krise (1898): Streit zwischen GB und FR
Panslawismus (seit 1900): Bestreben der russischen Regierung, alle slawischen Völker zu einem Staat zu vereinen
Erste Marokko-Krise (1905/06): FR versucht Annexion Marokkos trotz Protesten von DE
Zweite Marokko-Krise (1911): FR annektiert Marokko, DE entsendet Kanonenboot “Panther” nach Agadir
Erster Balkankrieg (1912): Bulgarien, Rumänien, Griechenland, Serbien gegen das Osmanische Reich
Zweiter Balkankrieg (1913): Krieg zwischen Siegern um die Gebietsgewinne aus dem Ersten Balkankrieg
Verlauf (Kurzüberblick)
Ausbruch
Ermordung des österreichischen Thronfolgers in Sarajevo, Österreich-Ungarn stellt Serbien ein nicht einzuhaltendes Ultimatum, dann Kriegserklärung, DE tritt dem Krieg bei, Russland auch (wider Erwartungen von DE)
Fronten
Westfront: Grabenkrieg nach dem Scheitern des Schlieffen-Plans (Angriff durch das neutrale Belgien)
Ostfront: Bewegungskrieg, DE und Ö-U erzielen Erfolge gegen Russland
Südfront: Ö-U kämpft mit Unterstützung von DE gegen IT
Seekrieg: mehrere Seeschlachten (Skagerrak 1916!), die aber kaum Einfluss auf den Kriegsverlauf haben, U-Boot-Krieg führt zum Kriegseintritt der USA
Ende
Nachdem die OHL Wilsons 14-Punkte-Plan ablehnt, muss sie wenig später die Niederlage eingestehen
die Schuld an der Niederlage wird auf eine sozialistisch-kKommunistische “Revolution” geschoben (Dolchstoßlegende)
Annahme der 14-Punkte jedoch nicht mehr möglich
Selbstmordkommando an die Flotte löst Matrosenaufstand aus, daraus entsteht eine Revolution (Oktober/November 1918)
Ende & Versailler Vertrag
Frage nach der Kriegsschuld (3 Perspektiven)
Fritz Fischer (1960er Jahre)
DE wollte durch Provokation von RU einen Weltkrieg auslösen
DE war vorbereitet und wollte Krieg
Attentat von Sarajevo als Vorwand
DE als Hauptverantwortlicher
DE habe Verhandlungen von RU und Ö-U sabotiert
Andreas Hillgruber (1980er Jahre)
DE wollte einen Weltkrieg vermeiden
DE wollte hauptsächlich Ö-U unterstützen
DE zählte auf rationales Verhalten von RU (fälschlicherweise)
Schuld beim Versagen der gesamten europäischen Diplomatie; DE nur als Teilverantwortlicher
Krieg aufgrund dieses Versagens unvermeidlich
Herfried Münkler (2010er Jahre)
Militarismus von DE habe so nicht existiert
DE war nicht auf den Krieg vorbereitet, weder im Hinblick auf die Größe der Armee noch deren Vorräte
DE hatte höchstens ein Imageproblem
der “Blankoscheck” resultierte daraus, dass DE FR und RU beeindrucken wollte, andererseits daraus, dass ein Krieg ohnehin unvermeidbar war und er für DE nicht mehr zu gewinnen sein würde ansonsten
RU als Hauptverantwortlicher
Wilsons 14-Punkte
Inhalt
keine Geheimdiplomatie mehr
freie Schifffahrt, keine Kriegshandlungen gegen Handelsschiffe
freier Handel
Intl. Abrüstung
Prinzip der Selbstbestimmung aller Völker, auch in kolonialen Fragen
Räumung aller besetzten Gebiete
Ö-U werden gemäß des Prinzips der Selbstbestimmung aufgelöst
Gründung Polens
Gründung des Völkerbundes
Bewertung
Wenig de-facto-Verluste für DE (Kolonien waren sowieso verloren, besetzte Gebiete hätten nicht gehalten werden können)
Schwächung aller Kolonialmächte
DE hätte annehmen sollen
Es ist unklar, ob FR angenommen hätte, jedoch wäre es dann isoliert gewesen (Weiterer Grund für DE, anzunehmen)
Versailler Vertrag
Intentionen
Schwächung von DE (hauptsächlich von FR gewollt)
Gewinn durch Reparationen (auch stark durch FR)
Elemente
Politisch: Vollständige Anerkennung der alleinigen Kriegsschuld durch DE, Auslieferung der “Kriegsverbrecher” (Wilhelm II.)
Territorial: Abtretung aller Kolonien, Abtretung von Westpreußen, Schlesien etc. an PL, Abtretung von Elsaß-Lothringen an FR, Abtretung von Eupen-Malmedy an BL
Militärisch: Beschränkung der Reichswehr auf 100.000 Mann, Verzicht auf moderne Waffen (Panzer, Flugzeuge, U-Boote), Auslieferung der gesamten Flotte, Entmilitarisierung des Rheinlandes, Besetzung dt. Gebiete v.a. westlich des Rheins durch FR
Ökonomisch: Reparationszahlungen, Abtretung der Kohlegruben im Saarland an FR, kostenlose Lieferung von Industriegütern an FR
Folgen
erhebliche Belastung von DE, v.a. wirtschaftlich
Neuorientierung der dt. Außenpolitik (Rückgewinnung der alten Machtstellung oder Verständigungspolitik?)
DE blieb in ökonomischer Hinsicht weiterhin eine Großmacht
Nachhaltige Enttäuschung der dt. Bevölkerung über den Friedensvertrag
